CCI 4

Methodologische Fortschritte beim Thema Verletzbarkeit im Verlauf des Lebens

Leader: André Berchtold
Support: Danilo Bolano

In diesem Cross-Cutting Issue werden Strategien für innovative empirische Längsschnittanalysen und neue Methoden zur Untersuchung der Verletzbarkeit im Lebensverlauf entwickelt, und zwar sowohl auf individueller Ebene als auch auf Ebene der Bevölkerung. Fünf Hauptthemen werden behandelt:

1. Stichprobendesign, Datenerhebungsverfahren und ihre Auswirkungen

Dieses Thema fördert die Entwicklung und Verbesserung unterschiedlicher Stichprobenverfahren wie das Kombinieren von Datenerhebungsmethoden, die Verbesserung von Methoden zur Erhebung von persönlichen und Familiennetzwerkdaten sowie den Aufbau von komplexen Datenerhebungsmethoden, welche einen Vergleich von Netzwerken ermöglicht, die sich auf Namens-, Positionen- und Ressourcengeneratoren stützen, aber auch von Lebenskalendern und der Bewertung der Auswirkungen von fehlenden Werten in Längsschnittdaten. Eine wichtige Frage innerhalb dieses Themas betrifft die Realisierbarkeit und Verlässlichkeit von online Life History Calendars (LHC).

2. Konzeption und Messung von Verletzbarkeit

Die Konzeption und Messung von Verletzbarkeit stehen noch in einem Anfangsstadium und sollten weiterentwickelt werden. Besonders interessant ist die Frage, wie das multidimensionale und dynamische Wesen von Verletzbarkeit durch qualitative und quantitative Untersuchungen erfasst werden kann.

3. Analytische Methoden für Längsschnitt- und Netzwerkdaten

Die analytischen Methoden zur Bearbeitung von Längsschnitt- und Netzwerkdaten müssen weiter ausgearbeitet werden. Bisher entwickelte LIVES unter anderem Sequenzanalysen und Markov-basierte Modelle, andere Ansätze sind jedoch willkommen. Zentrale Forschungsfragen innerhalb dieses Themas sind: a) Wie lassen sich die Ergebnisse aus verschiedenen Ansätzen miteinander kombinieren? und b) bestehen Alternativen zu Distanzberechnungsmmethoden für die Klassifizierung von Datensequenzen?

4. Qualitative und gemischte (quali-quanti) Methoden

Obschon qualitative und gemischte Quali-/Quanti-Methoden als Wege zur Eröffnung neuer Forschungsansätze gesehen werden, besteht unseres Wissens gegenwärtig keine Plattform, um sie zu erörtern und zu untersuchen. Im Rahmen dieses Themas wird die Absicht verfolgt, eine derartige Plattform anzuregen, um die Entwicklung eines wirksamen Einsatzes gemischter Methoden zu fördern. Eine offene Frage von besonderem Interesse betrifft die Formulierung von Richtlinien, um zu bestimmen,, wann gemischte Methoden einem rein qualitativen oder quantitativen Ansatz vorzuziehen sind.

5. Datenorganisation und Datenaustausch

Dieses Thema konzentriert sich darauf, die Regeln für die Beschreibung und Dokumentation der innerhalb von LIVES auf operativer Ebene erhobenen Daten zu bestimmen. Dank dieser Initiative können LIVES-Mitglieder nun vereinfacht auf die meisten LIVES-Datenreihen zugreifen. Offen bleibt die Frage, wie die Daten von verschiedenen Studien, die auf verschiedenen Populationen und Stichprobenplänen basieren, aggregiert werden sollen.

Literaturhinweise

Bernardi, L. (2011). A mixed-method social networks study design for research on transnational families. LIVES Working Papers, 2011(3), 1-13.

Madero Cabib, I., Gauthier, J. - A., & Le Goff, J. - M. (2016). The influence of interlocked employment-family trajectories on retirement timing. Work, Aging and Retirement. 2(1), 38-53

Morselli, D., Berchtold, A., Suris, J.-C., Berchtold, A., (2016). On-line life history calendar and sensitive topics: A pilot study. Computers in Human Behavior. 58, pp. 141-149.

Oris, M., Roberts, C., Joye, D., Ernst Stähli, M. (2016). Surveying human vulnerabilities across the life course. Life Course Research and Social Policies. 242 p. New York: Springer.

Studer, M., & Ritschard, G. (2016). What matters in differences between life trajectories: A comparative review of sequence dissimilarity measures. Journal of the Royal Statistical Society: Series A (Statistics in Society), Vol. 179(2), pp. 481-511.