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Junge Erwachsene in der Schweiz: ein Studium lohnt sich

Was ist 15 Jahre später aus den Jugendlichen geworden, die im Jahr 2000 die obligatorische Schulzeit beendet haben? Der Beitrag von Thomas Meyer in der Reihe Social Change in Switzerland zeigt, dass im Alter von 30 Jahren die Mehrheit von ihnen erwerbstätig ist und durchschnittlich fast 6000 Franken brutto pro Monat verdient. Der Artikel thematisiert darüber hinaus die erheblichen Lohnvorteile einer Ausbildung auf Tertiärstufe sowie die nach wie vor eklatanten Unterschiede zwischen Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt.

Basierend auf der Schweizer Längsschnittstudie TREE (Transitionen von der Erstausbildung ins Erwerbsleben) zeigt Thomas Meyer, dass sich die Übergänge zwischen Ausbildung und Beschäftigung seit Beginn des 21. Jahrhunderts zunehmend länger hinziehen. Für viele Jugendliche in der Schweiz sind diese Übergänge von Brüchen, Neuorientierungen und Zwischenjahren geprägt.

Fast die Hälfte der untersuchten Kohorte verließ das Bildungssystem mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (in der Regel einem Lehrabschluss); 40% machte einen Abschluss auf der Tertiärstufe (Universität, Fachhochschule oder höhere Berufsausbildung) – das sind doppelt so viele wie in der vorherigen Generation – und 10% blieben ohne nachobligatorische Ausbildung.

Die Arbeitsmarktsituation im Alter von 30 Jahren ist überwiegend günstig: Die Quote der Erwerbstätigen ist hoch, die Erwerbslosigkeit tief, und das mittlere Einkommen liegt brutto bei fast 6000 Franken monatlich. Lehrabsolventinnen und –absolventen sind zwar deutlich seltener prekär beschäftigt als junge Erwachsene ohne Bildungsabschluss. Mit Blick auf Erwerbssituation und Durchschnittseinkommen unterscheiden sich die beiden Gruppen dagegen nicht statistisch bedeutsam voneinander.

Wer einen Hochschulabschluss oder einen Abschluss der höheren Berufsbildung in der Tasche hat, verdient durchschnittlich über 1000 Franken monatlich mehr als Personen ohne Abschluss auf Tertiärstufe. Der schweizerische Arbeitsmarkt nimmt zwar Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger auf allen Qualifikationsstufen gut bis sehr gut auf. Besonders gross – und entsprechend vorteilhaft entlohnt – ist aber die Nachfrage nach hoch gebildeten Arbeitskräften.

Thomas Meyer unterstreicht schliesslich, in welchem Ausmass das Geschlecht und die Familien­situation nach wie vor Erwerbslaufbahn und Einkommen beeinflussen: Während junge Väter fast ausschliesslich vollzeitlich erwerbtätig sind, verlässt jede fünfte junge Mutter den Arbeitsmarkt, drei von vier Müttern arbeiten Teilzeit, und der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern beträgt 800 Franken pro Monat.

>> Thomas Meyer (2018). Von der Schule ins Erwachsenenleben: Ausbildungs- und Erwerbsverläufe in der Schweiz. Social Change in Switzerland No 13. Retrieved from www.socialchangeswitzerland.ch

Kontakt : Thomas Meyer, +41 31 631 38 23, thomas.meyer@soz.unibe.ch

Die Reihe Social Change in Switzerland dokumentiert laufend die gesellschaftlichen Entwicklungen in der Schweiz. Die Reihe wird gemeinsam herausgegeben vom Schweizer Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften FORS, vom Zentrum für die Erforschung von Lebensläufen und Ungleichheiten der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Lausanne LINES, sowie vom Nationalen Forschungsschwerpunkt LIVES – Überwindung der Verletzbarkeit im Verlauf des Lebens (NFS LIVES).  Ziel der Reihe ist es, Veränderungen bezüglich Arbeit, Familie, Einkommen, Mobilität, Stimmrecht oder Geschlechterverhältnisse aufzuzeigen. Die Beiträge beruhen auf wissenschaftlichen Untersuchungen und richten sich an ein breiteres Publikum.